Geschichte

 

Eine Betrachtung eines historischen Weilers über dem Dorf Gossau

Auf dem südlichen von Gossau langgezogenen Hügel, der über ansteigenden Wiesen bewaldet ist, liegt vorgelagert, über Dächer und Giebeln die "Muelt".

Die Geschichte weiss zu berichten, die Gossauer und die Herisauer und viele Appenzeller hätten immer fest zusammengehalten, und gegen den Abt von St. Gallen sich wiedersetzt, da selbiger ein Schwabe war. (Abt Kuonrad von Pegau 1418 - 1419). Erst Abt Heinrich IV von Mannsdorf (1419 - 1426) nahm den Kampf um die Rechte der Abtei St. Gallen wieder auf gegen die Appenzeller, Gossauer und die sog. "Höfe". Er wandte sich an die geistlichen Behörden und an die Eidgenossen. Diese entschieden am 6. Mai 1421 die Abtei solle künftig auf die Herrschaft über Appenzell und ein gross Teil ihrer Einkünfte verzichten. Für Gossau enthielt der Spruchbrief die wichtige Bestimmung, die Appenzeller hätten auf alle Herrschaftsansprüche auf diese Gemeind zu verzichten, doch sollten die Gossauer auch weiterhin ihre Verbindung mit den Bergleuten beibehalten dürfen, ein Urteil das Appenzell für die Erweiterung ihres Gebietes Tür und Tor noch offen liess. Der für Appenzell günstige Spruch der Eidgenossen wurd nicht angenommen. So bedrohte Berchtold von Wildungen, Domherr zu Speier, die Ungehorsamen (4. Februar 1426) mit dem Kirchenbann. Da die Appenzeller und die befreundeten Gossauer einer dreimaligen Vorladung nicht folgten gerieten sie in das INTERDIKT und auf Grund eines weiteren Urteils (10 April 1426) in den Kirchenbann, der in allen Kirchen jeden Sonntag von der Kanzel verkündet wurd.

Die im Kirchbann stehenden Gotteshauslütt scherten sich um den Bann keinen Pfifferling. Sie zwangen die Priester den Gottesdienst zu feiern. Ein Kilbiausflug von 200 bewaffneten Appenzellern und Gossauer endete mit einer handfesten Bedrohung vom Bischofszell (12. Juni 1427). Nach dem Tode Abt Heinrichs, rief sein Nachfolger Eglolf Blarer (1426 - 1442) die weltliche Macht an, doch die schwäbische Ritterschaft die mit der Bezwingung des Bergvolkes betraut wurde, konnte nichts ausrichten; sie gerieten bei einem ersten Gefecht ob der "Muelt" in arge Bedrängnis und gegen die Felsen gedrückt.

Erst Graf Friedrich VII von Toggenburg führte die Entscheidung herbei. Er rückte am 31. Oktober 1428 über Magdenau vor, besetzte am Allerseelentag das appenzellerfreundliche Gossau , das er teilweise in Asche legte.

Dann tobte die Schlacht zu Füssen der "Muelt". Nach der Schlappe welche die Appenzeller und ihre Verbündeten erlitten, bequemten sie sich endlich an den Verhandlungstisch und schlossen am 31. Mai 1429 mit dem "Toggenburger Graf" Frieden.

Am 26. Juli des gleichen Jahres erfolgte unter der Mitwirkung der Eidgenossen die ersehnte Versöhnung zwischen dem Bischof von Konstanz , dem Ritterbund zu St. Jörgen - Schild und dem Abt von St. Gallen einerseits und den Bergleuten am Alpstein und ihren Verbündeten andrerseits.

Sie wurden aus dem Kirchenbann befreit ohne zu bezahlen und damit fand eine fast 30 jährige blutige Epoche von Burgensturm, Feuer, Mord und Totschlag ihren Abschluss. Gossau musste mit grossen Opfern bezahlen, ohne den Anschluss an Appenzell erreicht zu haben.

Von den Pinten, die im Gegensatz zu den traditon. Tavernen öfters Wechsel erfuhren, begegnet uns jene der "Muelt" anno 1566 zuerst. Die erste Schenke lag aber in früherer Zeit zur Rechten der heutig. Zufahrtsstrasse. Leider melden uns die Archive der Stiftsbibliothek gar nichts von den ausgehängten Schildern. (Gar viel wurde durch den Dorfbrand von 1731 zerstört) So ist die Geschichte auf einen Dorfplan von ca. 1828 angewiesen. So trug das von den Gebr. Ciprian 1782 erworbene Haus am Kirchplatz (Gähwiler - Geser Haus) den Adler im Schild. Das äbtische Zollhaus wurde nach der Aufhebung des Klosters St. Gallen zur "Krone", das Obervogtei - Gebäude zum "Ochsen" es ist auch von der "Toggenburg" die Rede, dem "Sternen" dem "Hirschen".

Frühere Handbücher der Stadthalterei St. Gallen (1760 - 1790) berichten von Schenken im Oberdorf, Mettendorf, Niederdorf, Henessenmülli, und von der "Traube" auf der Muelt.

Interessante Begebenheiten sprechen aus früherer Zeit von der etwas aufmüpfigen, rauen Art unserer Einwohner im Fürstenland. In unserer engeren Heimat gab es früher viele Fruchtmühlen, es seien hier der zwei herausgenommen, die mit der Muelt eine nähere Beziehung hatten. Die "Eberle - Mühle" im Kressbrunnen (abgebrannt Frohnleichnam 1919) und die Haslenmühle (denkwürdiger Brand 1934). Früher wurde mit schweren Fuhrwerken mit vier bis fünf Pferden bespannt, das Backmehl ins Appenzellische gebracht. Der Weg führte für die obgen. Mühlen vom Niederdorf über die Muelt, allwo der Morgentrunk eingenommen wurde, wegen des näheren Weges waren die Haslenmühle Fuhrleute die ersten, gewöhnlich versperrten sie mit der hochbeladenen Fuhre den Nachfolgenden den Weg bei der Muelt was zu ständigen Reibereien führte, die bis zu Tätlichkeiten ausarteten.

So weiss die Geschichte zu berichten, dass die Ruhrknechte nach reichlichem Genuss von Kaffee (mit Bäziwasser!) mit Geisseln und dero Stöcken aufeinander losgegangen sind, sich gegenseitig Schrammen und Beulen beigebracht, ehe sie die kostbare Fracht den Bäckern im Appenzellerland abladen konnten. Die Mutter von Josef Germann Senior konnte sich (wie Chronisten erfahren) an solche Prügeleien noch sehr gut erinnern. (Ein solches Schweres Mehlfuhrwerk ist auf einem , den älteren Gossauern gut bekannten Bild ersichtlich, das ein Haslenmühle Fuhrwerk mit fünf Pferden aufzeigt, über der Hundwiler Brücke.)

Es sei dieser Muelt Chronik noch ein Stück Historia angegliedert. Nach dem grossen Dorfbrand 1731 dem auch die Pfarrkirche zum Opfer fiel, wurde schon bald mit dem Neubau begonnen. So erfahren wir, dass der 23. April 1733 die zweite Bauperiode eröffnete. Die Ankunft der beiden Seitenaltäre am 3. Sept. 1733 war ein ganz besonderes Fest, Dekan Ruggle weiss zu berichten, dass dieselben von Georg Heim von der Muelt gestiftet wurden.

Es gäbe noch vieles zu erzählen und aufzuführen, aber lassen wir über die Vergangenheit einen Vorhang ziehen und wenden wir uns der neueren Zeit zu.

(Quellenangabe des Chronisten, aus der Kirchengeschichte von Gossau, aus Gossau im Fürstenland von Sek. Lehrer Paul Holenstein; aus der Chronik von Josef Denkinger + deren ehrendes Andenken in diesen Zeilen wieder aufgelebt.)

Text: Edy Kostezer